Mehr als nur Rückgaben…am 14.Nov.2019

Ein Feuerwerk an Rechercheergebnissen, ethnologischen und geschichtlichen Zusammenhängen, zündete Dr. Lars Frühsorge am Abend des 14.November im Museum für Natur und Umwelt. Unterfüttert mit historischen Fotos des 19. und frühen 20.Jh. war es eine Freude seinen „Raketen“ zu folgen.
Da wurde die interessante Herkunft einiger Lübecker Objekte ebenso „gezündet“ wie die Rolle Lübecker Bürger in der Kolonialzeit und die Rolle der Indigenen beim Verkauf von "Touristenware".
Die Objekte waren seine Triebsätze und nachdem die ersten Raketen verglüht waren, folgte schon die nächste Batterie mit den Fragen zur Restitutionsproblematik und der proaktiven Lübecker Provinenzforschung.
Das  Publikum war nach dem Vortrag kaum in der Lage Fragen zu stellen und verharrte einige Sekunden diskussionslos, staunend der Dinge die gerade am Vortragsfirmament vorbeigezogen waren. So macht Ethnologie Spaß.
Erneut zeigte es sich, was bereits von vielen Lübeckern gebetsmühlenartig vorgetragen wird, welche Schätze, nicht nur materieller Art, im Zeughaus lagern und das diese Schätze endlich ein Museum brauchen.
Die Stadt sollte stolz auf diesen Bestand sein und verantwortungsbewusst mit ihm umgehen. Ein Hoch auf den Feuerwerksmeister Dr. Lars Frühsorge.
LarsFrühsorge
Dr. Lars Frühsorge

Für eine neue, gemeinsame globale Geschichtspolitik - Dienstagsvortrag von Fr. Prof. Habermas 15.10.2019

In dem von der Gesellschaft für Geographie und Völkerkunde gestalteten Dienstagsvortrag von Fr. Prof. Rebeka Habermas von der Georg-August-Universität in Göttingen sprach diese zum Thema „Für eine neue, gemeinsame globale Geschichtspolitik“.
Angestoßen durch die Arbeit (2017-18) der Wissenschaftler Felwine Sarr und Bénédicte Savoy, Im Auftrag von Emanuel Macron, in der die Möglichkeiten und Kriterien der Rückgabe von kolonialen Kulturgütern französischer Museen an afrikanische Länder erkundet werden sollte, wird die Rückgabe von ethnologischen Objekten nicht nur in Frankreich sondern auch in der deutschen Geschichts-, Ethnologen-, und Museumsszene sowie in den deutschen Medien heiß diskutiert.  Sind doch die Ethnografika vielfach während der Kolonialzeit unter gewalttätigen, wirtschaftlich repressiven Umständen und unter Einbeziehung der kolonialen Infrastruktur in die Staaten Europas gelangt.
Hier setzte Rebeka Habermas in ihrem Vortrag an und gab Eingangs einen Rückblick auf die Kolonialgeschichte speziell in Afrika, um dann die Chancen aufzuzeigen, die in einer geänderten Geschichtspolitik,  beim Umgang mit den Objekten liegen. Sie hob die Einflüsse der außereuropäischen Kulturen auf die Kunst der Klassischen Moderne und den Musikstil des Jazz hervor und reflektierte immer wieder auf die anders gelagerte Herkunftsgeschichte der Lübecker Objekte. Mit ihrem Vortrag erweiterte Rebeka Habermas den Blickwinkel auf den Umgang mit den ethnologischen Artefakten im Hinblick auf den aktuellen Diskurs und warb für einen fairen, inspirierenden Austausch auf Augenhöhe sowohl bei der Rückgabe als auch bei einer geänderten musealen Präsentation sowie bei einer gemeinsamen wissenschaftlichen Bearbeitung der Objekte.
Mit weiterführenden Fragen und Stellungnahmen aus dem Publikum schloss der Vortrag.
Im Hinblick auf die neue Gestaltung eines ethnologischen Museums in Lübeck fächerte der Vortrag die Debatte auf und gab neue Sichtweisen frei. Vielen Dank an Fr. Prof. Habermas und das engagierte Publikum.
Weitere Informationen zu Rebeka Habermas über den Link https://www.uni-goettingen.de/de/557736.html