Podiumsdiskussion über die Zukunft der Völkerkundesammlung am 27.September 2018 im ZKFL

Das 125-jährige Bestehen der Völkerkundesammlung bzw. des Völkerkundemuseums
(bis 1942) hat die Hansestadt Lübeck nicht gefeiert. Seit 10 Jahren ist die
Völkerkundesammlung nun geschlossen. 26.000 ethnographische Objekte sind der Öffentlichkeit vorenthalten. Die Gesellschaft für Geographie und Völkerkunde hat nunmehr in einer Broschüre Ihre Ideen und Forderungen für einen zeitgemäßen Umgang mit der Sammlung dargelegt.
Ein Grund, in einer Podiumsdiskussion die Zukunft der Sammlung zu erörtern. Die Fachfrauen Prof. Barbara Plankensteiner vom früheren Museum für Völkerkunde Hamburg ( heute Museum Am Rothenbaum – Kulturen und Künste der Welt, MARKK ), Prof. Viola König ehemalige Leiterin des Ethnologischen Museums der Staatlichen Museen zu Berlin und Mitgestalterin des Humboldtforums sowie Hr. Prof. Wißkirchen von der Kulturstiftung der Hansestadt Lübeck waren der Einladung der Gesellschaft für Geographie und Völkerkunde zu Lübeck gefolgt.
Moderiert wurde die Veranstaltung von Prof. Cornelius Borck vom Zentrum für Kulturwissenschaftliche Forschung Lübeck (ZKFL).
 
Im vollbesetzten Vortragssaal des Zentrums, in der Königstr. beschrieb Fr. Prof. Plankensteiner den Veränderungspfad vom Museum für Völkerkunde zum MARKK. Schnell waren sich die Ethnologinnen einig, das sich die tradierte Form der Präsentation ethnologischer Objekte mit Bezug auf die Ethnien überholt hat und die Forderungen an die Sammlungen in der Beantwortung von Fragestellungen an die Objekte und deren Geschichten bestünde. Natürlich auch, soweit nötig unter Einbeziehung der historischen Hintergründe.
Die Lübecker Situation bewertete Prof. Wißkirchen verhalten positiv. Der Kulturausschuss ist von der Bürgerschaft aufgefordert ein Konzept zur Präsentation der Objekte zu erarbeiten. Im ersten Quartal 2019 sollen Ergebnisse vorliegen.
Die anschließenden Fragen und Beiträge aus dem Publikum machten deutlich, das die interessierten Lübecker*innen die Sammlung nicht vergessen haben und eine neue und aktuelle Präsentation auf jeden Fall unterstützen.
Bericht & Foto MP 30.09.2018
 
 

 

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Mit Prov. Haversath durch Polen - Vortrag am 13. Februar 2018

   Artur Rubinstein Denkmal in Lodz
 PolenHaversath
Zum Dienstagsvortrag konnten wir Hr. Prof. Johann-Bernhard Haversath im gut besuchten Großen Saal der Gemeinnützigen begrüßen. Inhaltlich, didaktisch und medial wunderbar aufbereitet ging es durch die Themen Stadt&Land, Westverschiebung, Transformation, Ethnische Gruppen, Landwirtschaft, Kultur, Religion und Natur. Vorab gab es eine Übersicht über die Woywotschaften,einen geschichtlichen Rückblick und eine Darstellung zur aktuellen innenpolitischen Situation. Mit Fotos von Wroclaw, Legnica, Szczecin, Gdańsk und dem Heiligkreuzgebirge, dem polnischen Mittelgebirge, gewann das Auditorium einen „ersten Blick“ auf das Land. Die nach dem 2.Weltkrieg stattgefundenen Umsiedelungen der polnischen Bevölkerung nach Westen machten deutlich, dass Flucht und Vertreibung nicht nur für die deutsche Bevölkerung viel Not und Entbehrung bedeutete. Am Beispiel der Stadt Łódź schilderte Haversath den noch nicht abgeschlossenen Transformationprozess der polnischen Industrie. Waren es doch Bergbau und Schwerindustrie die Polen in der sozialistischen Zeit zu seiner Bedeutung verhalfen. Diese Industriezweige sind auf dem Rückzug und haben einen schweren Stand in einer globalen Wirtschaft.
Die Ethnischen Gruppen, wie Bojken, Gorenken, Lemker, Roma und Tartaren sind prozentual zur Gesamtbevölkerung unbedeutend. Alleine die Schlesier kommen auf 2,1%.
Częstochowa (Tschenstochau) , der berühmte Wallfahrtsort und Symbol des nationalen Widerstands seit der Verteidigung gegen die Schweden im Jahre 1655, konnte bei Prof. Haversath nicht unerwähnt bleiben. Er machte deutlich, dass auch in kommunistischer Zeit der Glaube nicht verdrängt werden konnte.
Mit Beiträgen zur Kultur und Natur Polens beschloss Prof. Haversath seinen Vortrag, der damit nicht nur ein perfektes Porträt unseres Nachbarlandes gab sondern auch die aktuelle innenpolitische Situation nicht aussparte.
mp 15.02.18