Jahreshauptversammlung

Am 18. März 2017 fand die Jahreshauptversammlung unserer Gesellschaft im Museum für Natur und Umwelt statt.
Wie in jedem Jahr stand der Bericht der 1. Vorsitzenden und der Schatzmeisterin im Mittelpunkt. Auf Antrag wurde
der gessamte Vorstand entlastet und bestätigt.
Hier der Bericht unserer Vorsitzenen Fr. Prof. Renate Kastorff-Viehmann:

Bericht der Gesellschaft für Geographie und Völkerkunde zu Lübeck Berichtszeitraum 2016 /2017

Völkerkundesammlung

-

Die Potenziale und der hohe kulturelle wie auch materielle Wert der Sammlung werden von der Verwaltung der Stadt Lübeck immer noch nicht zum Anlass genommen, aktiv zu werden – es herrscht Stillstand auf niedrigem Niveau: Das Zeughaus ist von der Kulturstiftung an das Baumanagement abgegeben worden, welches dort nicht allein das Dach saniert hat sondern auch Büros für das Bauamt in ehemalige Ausstellungsflächen eingebaut hat. Der Verbleib der Völkerkundesammlung ist also immer noch ungewiss, auch wenn die „Depotfrage“ und der angedrohte Umzug (wir hatten im Bericht zu 2015 /2016 darauf hingewiesen) derzeit nicht angerührt werden. Ein eigenes Budget ist nicht vorhanden; notwendige restoratorische Arbeiten an Objekten der Völkerkundesammlung finden nicht statt. Eine Erweiterung der Sammlung (z. B. durch Schenkungen) ist allein deshalb und aufgrund von Platzmangel derzeit nicht angezeigt.

Abgesehen davon gibt es Positives und Negatives zu berichten:

  • In der Bürgerschaftssitzung am 28. Januar 2016 wurde nicht nur auf die Bedeutung der Völkerkundesammlung hingewiesen, sondern auf Antrag der Fraktion „Die Grünen“ gemeinsam mit der SPD mit großer Mehrheit beschlossen a) den Verkauf der Linde´schen Villa erst dann zu vollziehen, wenn für das Standesamt und gegebenenfalls die Völkerkundesammlung dauerhaft geeignete Standorte gefunden sind (damit wurde der Umzug ins Zeughaus erst einmal aufgeschoben), b) gefordert, über die möglichen Alternativen zur Unterbringung des Depots der Sammlung in der nächsten Bürgerschaftssitzung unter Berücksichtigung der Kosten zu berichten (ein Bericht liegt bisher noch nicht vor) und c) im Rahmen der Konzeptentwicklung für die Völkerkunde den Erwerb der Bundesbankgebäude am Holstentor zu prüfen und ein Kaufinteresse zu signalisieren.
  • Am 10. Und 11. März 2016   diskutierten vier Historiker bzw. Historikerinnen und vier Ethnologen bzw. Ethnologinnen von Rang im Rahmen der öffentlichen Tagung „Ein neuer Typ von Stadtmuseum im Holstentor“ das von der Kulturstiftung der Hansestadt ausgearbeitete und dankenswerter Weise von der Gemeinnützigen Sparkassenstiftung geförderte Konzept für ein „Stadtmuseum neuen Typs“ im Holstentor. Das von den Experten als gut und machbar befundene Konzept geht davon aus, Exponate der Völkerkundesammlung neben anderen Objekten von stadtgeschichtlicher Bedeutung zu zeigen um darüber historische Außenbeziehungen Lübecks zu verdeutlichen. Dem Urteil der Experten schließen sich Vorstand und Beirat der Gesellschaft für Geographie und Völkerkunde an; jedoch gibt es in der städtischen Öffentlichkeit dazu kontroverse Positionen.
  • Von Juni bis September 2016 fand im Museumsquartier St. Annen die von Frau Dr. Templin ausgerichtete, viel beachtetet Ausstellung über die Aklama – die kleinen „Hilfsgötter der Ewe und Dangme“ aus Ghana aus der Sammlung Horst Antes statt. Es gab ganzseitige Artikel zur „Aklama-Ausstellung“ in der Zeit (vom 11. 8) und in der FAZ (vom 31. 8.).
  • Ein Schreiben unseres Vereins an die Fraktionen der Bürgerschaft mit der Bitte um Stellungnahme zur Zukunft der Völkerkundesammlung und zur Weiterbesetzung der Stelle der Kuratorin ab dem 1. März 2018 ist bisher (Stand 24. Januar) nur von der SPD-Fraktion beantwortet worden.
  • Denn allein die SPD-Bürgerschaftsfraktion hat sich in ihrem Programm „Auf Kultur gebaut – Für eine lebenswerte Stadt“ für ein neu zu konzipierendes „Stadtmuseum der Völker“ mit eigenem Ausstellungsraum der Völkerkundesammlung ausgesprochen. Sie ist zudem aktiv geworden, um die Stadtspitze dazu zu bewegen, a) ein Kaufinteresse an den Räumlichkeiten der jetzigen Bundesbank zu bekunden und b) um die Stelle der Kuratorin zu sichern. Die nächsten Monate werden zeigen, wie sich das Projekt weiterentwickelt.

Die Zukunft der Völkerkundesammlung ist also immer noch ungewiss. Die Gesellschaft für Geographie und Völkerkunde zu Lübeck hat deshalb nochmals darauf hingewiesen, dass das Zeughaus das angestammte und mit großem bürgerschaftlichem Engagement vor rund 30 Jahren für die Lübecker Völkerkunde sanierte und hergerichtete Haus ist – auch wenn derzeit neue Verfügungsberechtigte das Sagen haben. Wir vertrauen nichtsdestotrotz auf die tatkräftige Unterstützung durch gesellschaftlich relevante Personen und Institutionen – anders könnten wir im erweiterten Vorstand nicht weiterarbeiten.

Sonstige Aktivitäten

Herrn Bodo Fabian, unserem Programmbeauftragten, ist es im Berichtsjahr erneut gelungen, Vortragende zu aktuellen Themen zu gewinnen, den Weltenbummler-Stammtisch attraktiv zu gestalten, vielversprechende Tagesexkursionen anzubieten und interessante Rundgänge in Lübeck im Rahmen des Programmpunktes „Unsere Stadt“ zu planen. Der wegen Krankheit zunächst ausgefallene Vortrag von Frau Dr. Scharfenort zum Thema „Lebenswirklichkeiten der Frau in der modernen islamisch-arabischen Welt“ konnte von uns im Rahmen des „Interkulturellen Sommers“ 2016 nachgeholt werden.

Das von der Possehl Stiftung unterstützte Forschungsprojekt zu „Gustav Pauli – ein früher Weltreisender aus Lübeck“, ist weit gediehen. Um die Abschluss-Arbeiten am Manuskript zu sichern, ist ein Antrag mit der Bitte um weitere Finanzierung an die Possehl Stiftung gestellt worden. Herr Dr. Lars Frühsorge, der das Projekt bearbeitet, hat am 2. März 2017 zum Stand der Arbeiten einen Vortrag gehalten. Und wir hoffen Ende 2017, spätestens in 2018 – wenn sich die Gründung des Museums für Völkerkunde zum 125. Mal jährt -, die Ergebnisse der Öffentlichkeit in den von Frau Dr. Templin herausgegebenen „Lübecker Schriften zur Ethnologie“ präsentieren zu können.

Aus der Gesellschaft

Die erneute Einführung des Lastschriftverfahrens durch Frau Trude Kasten, unsere neue Schatzmeisterin, und ihre sehr freundlichen Mahnbriefe haben eine beträchtliche Summe ausstehender Mitgliedsbeiträge erbracht. Mit dieser Aktion wurde auch die Mitgliederliste bereinigt; Mitglieder die entweder nach mehrmaliger Erinnerung keine Reaktion zeigten oder deren Post als „unzustellbar“ zurückkam, haben wir als verloren eingestuft. Im Ergebnis liegt Zahl der Mitglieder derzeit bei ca. 110.

Zum Schluss möchte ich an einen Tatbestand erinnern, auf den wir stolz sein können: Am 20. Januar 2017 konnten wir auf unserem Empfang zum Neuen Jahr an die Gründung der Geographischen Gesellschaft durch Mitglieder der Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit vor auf den Tag genau 135 Jahren erinnern.