In der Ausgabe der Lübecker Nachrichten vom 10.01.2018 wurde das Konzept der Lübecker Kultursenatorin Kathrin Weiher vorgestellt.
Unsere Vorsitzende Fr. Prof. Dr. Renate Kastorff-Viehmann gab dazu folgende Erklärung ab:
„Völkerkunde häppchenweise“
Bericht in den Lübeckern Nachrichten am 10. Januar 2018
Vor drei bzw. vor vier Jahren geisterten Ideen durch die Stadtverwaltung, sowohl Teile der Völkerkundesammlung zu verkaufen als auch das Depot im Zeughaus aufzulösen und die Sammlung schnell an einem anderen – ungeeigneten – Ort unterzubringen. (Zur Erinnerung: um das Standesamt ins Zeughaus zu verlegen und die Linde´sche Villa verkaufen zu können). Politisch war dies dank der Initiativen der SPD-Fraktion nicht durchzusetzen. In der Bürgerschaftssitzung vom 28. Januar 2016 wurde dann nicht nur auf die Bedeutung der Völkerkundesammlung sowie auf Dauer und Kosten eines eventuell erzwungenen Transports in ein anderes Depot hingewiesen, sondern mit großer Mehrheit u. a. gefordert, im Rahmen der Konzeptentwicklung für die Völkerkunde den Erwerb der Bundesbankgebäude am Holstentor zu prüfen resp. ein Kaufinteresse zu signalisieren.
Soweit waren wir also schon. Und nun das bescheidene Konzept von Frau Senatorin Weiher, das vorsieht, dass Stücke oder Teile der Völkerkundesammlung hier und dort genutzt, verwendet und / oder ausgestellt werden – „häppchenweise“ -, wie die Überschrift in den LN besagt. Im besten Fall als „Appetit-Häppchen, die Hunger auf mehr machen. Oder doch ehr eine Verlegenheitslösung ? Oder gar als preiswerter Lückenbüßer gedacht ? Verfügt die Sammlung doch über hervorragende Stücke. Man muss also nicht teuer ausleihen sondern kann preiswert Lücken füllen !
Wir – das sind die Mitglieder der Gesellschaft für Geographie und Völkerkunde – wehren uns vehement gegen den Plan, die wertvolle Völkerkundesammlung aufzuteilen. Es ist eine Sammlung, die das Recht hat, gleichberechtigt neben den anderen Lübecker Kunstsammlungen und historischen Sammlungen zu stehen. Wir fordern deshalb seit Jahren von den Kulturpolitikern und Kulturpolitikerinnen der Stadt die Wiedereröffnung der Völkerkunde – und wir vertrauen auf Einsicht und Interesse in der Bürgerschaft. Der Mut, um den Knoten zu zerschlagen und der Völkerkundesammlung endlich ein eigenes Haus zurückzugeben, der scheint Frau Kultursenatorin Weiher jedoch zu fehlen.
Prof. Dr. Renate Kastorff-Viehmann
Vorsitzende der Gesellschaft für Geographie und Völkerkunde zu Lübeck